Nach Europacup: Auch Jonna Tilgner nimmt Kurs auf Peking

22.06.2008: (mg) - Zwar landete die deutsche Frauen-Leichtathletik-Nationalmannschaft beim 29. Europacup in Annecy nur auf dem letzten Rang – dieses Gesamtresultat trübte den positiven Eindruck, den Carolin Nytra und Jonna Tilgner vom Bremer LT/TuS Komet Arsten in Frankreich hinterließen jedoch nicht. Fazit: Beide Bremerinnen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Olympischen Spiele in Peking nominiert.
 
Jonna Tilgner schaffte nach ihrer verpassten Norm über die 400 Meter Hürden vom Sonnabend (Platz drei in 56,15 Sekunden) am zweiten Tag den Sprung ins Peking-Team mit der abschließenden 4x400-Meter-Staffel. Zusammen mit Sorina Nwachukwu, Florence Ekpo Umoh und Claudia Hoffmann lief die deutsche Staffel auf Platz sechs und so schnell wie seit fünf Jahren nicht mehr. 3:27,31 Minuten dürften für Peking reichen, unter 3:28 Minuten war das Ziel der Bundestrainer, um ganz sicher gehen zu können. Jonna Tilgner lief bei rund 35 Grad an Position eins gegen starke Konkurrenz auf der Innenbahn und bestätigte ihre gute Form nach anstrengenden Wochen aufs Neue. Somit ist auch eins klar: „Jonna wird erst in zwei Wochen bei den Deutschen Meisterschaften wieder die 400 Meter Hürden laufen. Wir werden jetzt nicht auf Biegen und Brechen versuchen, die Norm noch zweimal zu knacken“, so ihr Trainer Jens Ellrott. Er und die Bundestrainer lassen der 23-Jährigen Zeit zur Erholung und zum Genießen des Erreichten. „Denn die Staffelqualifikation ist mehr als eine Kompensation für die bisher verpasste Olympianorm in der Einzeldisziplin“, stellt Jens Ellrott weiter fest.
 
Die endgültige Nominierung der Staffel erfolgt nach den Deutschen Meisterschaften am 5. und 6. Juli in Nürnberg. Bereits am morgigen Montag Carolin Nytra fest für Peking planen können. Mit 12,99 Sekunden bei 1,3 Meter pro Sekunde Gegenwind lief die Bremerin gestern über 100 Meter Hürden auf Rang sechs. Es war Nytras fünfte Zwölfer-Zeit in diesem Jahr, „auch wenn die Platzierung nicht das war, was wir uns für Annecy vorgestellt haben“, gibt Trainer Jens Ellrott unumwunden zu. Doch das Rennen hatte schließlich einige Tücken, bei zwei Startversuchen, als Rückenwind herrschte, gab es technische Probleme. Dann drehte der Wind abrupt, und Carolin Nytra bewies, dass sie inzwischen mit allen Windverhältnissen zurecht kommen kann. „Nach den 13er-Zeiten von Regensburg und Prag geht es zum richtigen Zeitpunkt wieder bergauf“, bilanzierte Jens Ellrott und erwartet für die nationalen Titelkämpfe einen äußerst spannenden Verlauf. Die Konkurrenz lief an diesem Wochenende auf heimischen Sportfesten nur knapp Zeiten über 13 Sekunden, und mit der EM-Zweiten Kirsten Bolm aus Mannheim ist immer zu rechnen. Doch erst einmal ist auch hier Genießen angesagt – wenn morgen die Fahrkarte nach Peking an Carolin Nytra ausgestellt wird.