Die Medaillengewinner des SV Werder

Ein Wochenende der Superlative

03.08.2015: (Olaf Kelterborn) - Einen solchen Erfolg hat es für den SV Werder Bremen noch nie gegeben. Die grün-weißen Leichtathleten holten bei der Jugend DM in Jena insgesamt 7 Mal Edelmetall und waren damit der erfolgreichste Verein in der gesamten Bundesrepublik.

Die Flut der Medaillen begann bereits am Freitag, als Philip Kass im Stabhochsprung der U18 mit übersprungenen 4,70m die Silbermedaille erreichen konnte. "Das war der Auftakt in unser nahezu perfektes Wochenende", fasste es Sportwart Andrei Fabrizius zusammen. Dabei war für Kass sogar noch mehr drin: "Philip hatte etwas Pech mit den seitlichen Winden, die ihn jeweils in den Sprungversuchen über 4,80m erwischt haben", so sein Trainer Leszek Kass. "Hätte er seine schon erzielten Saisonleistungen bestätigen können, dann wäre sogar Gold drin gewesen."

Ein perfektes Rennen erwischte nur wenige Minuten nach der ersten Medaille für den SV Werder der Sprinter Fabian Netzlaff über 100 Meter. Nach neuem Bremer Landesrekord im Vorlauf (10,57 sec) sprintete er im Finale der besten acht Athleten Deutschlands in der zweiten Rennhälfte an allen Konkurrenten vorbei, überquerte die Ziellinie nach 10,60 sec und holte damit seinen ersten Deutschen Meistertitel. "Ich konnte es im Ziel gar nicht glauben, dass es wirklich wahr ist", so der U20 Sprinter nach dem Rennen. "Diese Saison läuft einfach super, ich bin verletzungsfrei geblieben und konnte mich dementsprechend mit meinem Trainer perfekt auf alle Highlights vorbereiten. Das hat toll geklappt, deshalb gilt mein Dank ganz besonders auch Andrei Fabrizius, der einen großen Anteil an meinen Erfolgen hat."

Fabians Goldmedaille sollte nicht die einzige am ersten Wettkampftag bleiben. Das zweite Stabhochsprungass im grün-weißen Ärmel, Stina Seidler, stach in der U18 nämlich voll und ganz. Mit souveränen Sprüngen präsentierte sie sich, trotz der anstrengenden WM Reise aus Cali, in einer tollen Verfassung und setzte sich letzten Endes mit übersprungenen 3,95m, höhengleich mit der Zweitplatzierten Tamara Schaßberger, durch. "Wir hatten gehofft gleich am ersten Tag zwei Medaillen im Stabhochsprung zu holen, aber es entscheidet ja auch immer ein bißchen die Tagesform", so Stina Seidler. "Heute hatte ich das Glück, dass ich keine Fehlversuche hatte, so dass ich mich letzten Endes durchsetzen konnte. Ich bin deshalb richtig glücklich über meinen DM-Titel, der die tolle Saison krönt."

Zeit zum Durchschnaufen blieb den mitgereisten Werder-Fans der Abteilung kaum, denn der zweite Tag begann, wie der erste Tag aufgehört hatte, nämlich mit sensationellen Ergebnissen. So sprang Mareike Max im Hochsprung der U18 eine neue persönliche Bestleistung (1,82m) und holte sich damit, völlig überraschend, die Goldmedaille. Besonders bemerkenswert war ihr lupenreiner Wettkampf, bei dem sie bis zur Siegeshöhe ohne jeglichen Fehlversuch blieb. Ihr Trainer Roman Fricke war dementsprechend stolz: "Mareike hatte Anfang des Jahres eine Bestleistung von 1,67m. Ihren Durchbruch schaffte sie beim Jump Off Meeting in Bremen, wo sie gemerkt hat, wozu sie in der Lage ist. Seit diesem Tag läuft es wie geschmiert und mit dem heutigen Titel hat sie sich dafür selbst belohnt, ich freu mich riesig."

Parallel zum Hochsprung fand auf der anderen Seite des Stadions der Stabhochsprung der männlichen U20 statt. Und wie sollte es anders sein, auch hier hatten die Grün-Weißen mit Maximilian Knief ein heißes Eisen im Feuer. Dieses Mal gelang dem Schützling von Trainer Leszek Kass, anders als bei der EM in Schweden, ein sehr guter Wettkampf, den er mit übersprungenen 4,80m beendete. In der Endabrechnung bedeutete diese Höhe den Bronzerang, ebenfalls ein toller Erfolg für den talentierten Bremer Springer.

Die technischen Disziplinen, in diesem Fall vor allem die Sprungwettbewerbe, wurden in Jena jeweils durch Werder Athletinnen oder Athleten mitbestimmt. So auch der Hochsprung der weiblichen U20. Hier fand Kerstin Geisweller rechtzeitig zu ihrer klasse Form zurück und übersprang die für sie sehnlich erwarteten 1,80m. Damit holte sie zum einen die Silbermedaille und erfüllte zum anderen die Kadernorm für den deutschen Hochsprungkader.

Den Medaillensatz komplettierte Fabian Netzlaff über 200 Meter, wo er die Bremer Landesrekordzeit, bisher gehalten von seinem Trainer, auf 21,62 sec verbessern konnte und sich damit Bronze sicherte.

Die weiteren Werder Athletinnen und Athleten zeigten ebenfalls sehr gute Leistungen, unter anderem im Stabhochsprung der U18 (Kim-Michelle Schwenke holte Rang 8 mit 3,50m) und über 100 Meter, wo Katarina Rocke ihren Landesrekord auf 12,13 sec verbessern konnte. Finja Damaschke sowie die 4x100m Staffel der U20 sammelten gute Erfahrungen auf höchster nationaler Bühne. Großes Pech hatte Tobias Tedsen über 400 Meter, der als fünftschnellster Athlet nach den Vorläufen aufgrund des Betretens einer Bahnmarkierung noch vor dem Finale disqualifiziert wurde.

Werders stellvertretender Abteilungsleiter Philipp Mehrtens, der gleichzeitig auch Präsident des Bremer Leichtathletikverbandes ist, lobte nach den Deutschen Meisterschaften den tollen Auftritt aller Werder Athleten: "Heute ist etwas Historisches passiert, denn eine solche Medaillenausbeute haben wir bisher noch nie erlebt. Ich bin froh es live gesehen zu haben, teilweise kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus und das ging vielen anderen Interessierten auch so, denn ich bin vielfach angesprochen worden, was sich denn da in Bremen entwickelt. Gemeldet hat sich unter anderem auch der Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes, der seine Glückwünsche übermitteln wollte. Das gebe ich gerne an unsere Sportler weiter, denn das haben sie sich verdient."

Apropos verdient: In Bremen bereiteten einige Mannschaftskollegen, Vorstandsmitglieder und Familienangehörige einen standesgemäßen Empfang für die Rückkehrer vor. Um kurz nach Mitternacht wurde dann gemeinsam angestoßen, gefeiert und gelacht, womit für alle eine unglaublich erfolgreiche Saison zu Ende geht und sich jeder seinen Urlaub verdient hat.